Mehrfamilienhäuser, Schnäpper und ein Kaninchenbau

Neulich traf ich meinen Patenonkel, schnell kamen wir auf seine Häuser zu sprechen. Denn er besitzt zahlreiche Mehrfamilienhäuser, aktuell kommen vor allem Einfamilienhäuser hinzu. Alle baut er selbst, oft probiert er neue Ausstattungen aus.
Sogar für seinen Rasenmäher hat er ein Haus gebaut. Der Rasenmäher parkt selbstständig dort ein, es scheint ihm also zu gefallen.
Alle Häuser erfreuen sich großer Beliebtheit.
Wer nun ein von mir angezetteltes Gespräch in Richtung unnötiger Zersiedelung der Landschaft, übermäßiger Bodenversiegelung oder Überreichtum erwartet, den muss ich leider enttäuschen.
Die Paare, die bei ihm einziehen, sind jedenfalls sehr divers, bleiben nur eine Saison und verlassen die Behausung als Familie, um sich dann zu unterschiedlichsten Lebensgemeinschaften erneut zusammenzufinden.
Der Gedanke an die wechselnde Bewohnerschaft lässt mich an Mietnomanden denken, zuerst schmunzeln und dann grübeln.

Als ich später in die Begriffsrecherche gehe, falle ich in einen Kaninchenbau. Ich entdecke, dass die so bezeichneten aus den entsprechenden Krawallmedien und bei den Eigentümerverbänden seit ungefähr 2011 bekannt sind. Bekannter auch, als Fälle in der realen Welt, das sagt die Gegenseite der Mieterverbände.
Das Netz jedenfalls ist voll von Warnungen. Eine kritische Betrachtung des Begriffes an sich finde ich nicht. Er ist so schön bildhaft, viel bildhafter als „Mietbetrüger“. Der Begriff hat es auch in die Wikipedia als Unterpunkt zum Hauptbegriff des Nomaden geschafft. Es gibt weitere Begriffskombinationen, auch die Hausnomaden sind negativ konnotiert, die digitalen Nomaden werden je nach Sichtweise positiv oder negativ gesehen. Bei der Definition der digitalen Nomaden findet sich zumindest eine Diskussion um die Wortherkunft und die klischeehafte Verwendung in Abgrenzung zum eigentlichen Nomadentum.

Ohoh, denke ich, es gibt so viel zu hinterfragen und zu lernen.
Über Vogelarten. Denn die Liste, die mein Patenonkel an den NABU meldet, wird von Jahr zu Jahr länger. Aktuell bewohnt sogar ein Halsbandschnäpperpärchen eines seiner Häuser.

Über Begriffe. Über Sprache als lebendiges Gebilde.

Und auch, wie ich den Ausgang aus diesem Kaninchenbau finde.
Ich probiere es mit Speichern, Laptopzuklappen und Aufstehen. (aw)